Der typische Erstkontakt mit NIS-2 sieht so aus: Ein Betrieb mit fünfzehn Leuten bekommt von seinem größten Kunden einen Fragebogen. Zwölf Seiten, Überschrift „Informationssicherheit in der Lieferkette", Rücksendefrist vier Wochen. Panik.
Atmen wir kurz durch.
NIS-2 ist eine EU-Richtlinie für die Sicherheit kritischer und wichtiger Einrichtungen — Energie, Gesundheit, Transport, digitale Dienste und etliche mehr, ab bestimmten Unternehmensgrößen. Der Zwölf-Mann-Betrieb fällt selten direkt darunter. Aber: Die Richtlinie verpflichtet die großen Unternehmen, ihre Lieferkette abzusichern. Und so landet das Thema per Fragebogen auf Ihrem Schreibtisch — nicht vom Gesetzgeber, sondern vom Kunden, den Sie nicht verlieren wollen.
Das ist lästig. Es ist aber auch eine Chance: Wer gute Antworten geben kann, hebt sich von Mitbewerbern ab, die den Fragebogen aussitzen.
Wer die Fragebögen studiert, stellt fest: Gefragt wird selten nach Exotischem, sondern danach, ob die Hausaufgaben gemacht sind — gibt es getestete Backups, sind Zugriffsrechte geregelt, werden Updates zeitnah eingespielt, ist das Netzwerk segmentiert, existiert ein Notfallplan, wird protokolliert, wer was darf?
Das ist kein Zufall: Diese Grundlagen decken sich weitgehend mit dem, was das BSI seit Jahren im Grundschutz beschreibt. Es sind dieselben Maßnahmen, die auch ohne jede Richtlinie sinnvoll sind — weil sie Verschlüsselungs-Trojaner, Datenverlust und Betriebsausfall abwehren. NIS-2 erfindet die IT-Sicherheit nicht neu. Sie sorgt nur dafür, dass mehr Betriebe sie ernst nehmen müssen.
An dieser Stelle sind wir gern präzise, weil auf diesem Markt gerade viel heiße Luft verkauft wird: Wir sind nicht zertifiziert und ersetzen keinen Auditor. Was wir können, ist die technische Seite — und die kennen wir aus der Praxis: Netzwerke segmentieren, Zugriffe härten, Backup- und Notfallkonzepte umsetzen, Protokollierung aufsetzen, Nachweise technisch vorbereiten. Wir haben Betriebe in solchen Prozessen begleitet und arbeiten uns strukturiert an den BSI-Grundschutz-Bausteinen entlang — eng abgestimmt mit dem, der bei Ihnen für den Prozess verantwortlich ist.
Kurz gesagt: Den Stempel gibt es woanders — wir bauen die Substanz, die er bestätigen soll.
Nicht der Zwölf-Seiten-Fragebogen, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wo steht Ihre IT bei Backups, Rechten, Updates, Netzwerk? Bei uns heißt dieser Schritt bei Praxen und Betrieben mit hochsensiblen Daten ISA-Analyse und steht dort verpflichtend am Anfang der Betreuung — alle anderen starten mit der Neukunden-Einrichtung zum Festpreis, die dieselbe Bestandsaufnahme enthält. Wer den Zustand kennt, kann Fragebögen gelassen beantworten — und Lücken planvoll schließen, statt in vier Wochen Hektik.
Wer so vorgeht, kann den nächsten Fragebogen gelassen aus dem Umschlag ziehen.
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